Revierderby: Überläufer zwischen Schalke und Dortmund

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Es gibt im Ruhrpott ein großes No-Go: Ein Wechsel vom S04 zum BVB oder andersherum. Wer diesen riskanten Schritt wagt, hat häufig mit viel Gegenwind von beiden Fan-Seiten zu rechnen. In der langen Geschichte des Revierderbys gab es bislang 18 Überläufer zwischen Schalke und Dortmund. bwin News stellt die Spieler vor, die einen direkten Wechsel zwischen den beiden Erzrivalen vollzogen.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der FC Schalke und Borussia Dortmund waren einst befreundete Vereine. Damals, in den 1920er und 1930er Jahren, waren die Rollen klar verteilt. S04 war die dominierende Mannschaft in Westfalen, der BVB spielte unterklassig in der Kreisklasse Dortmund-Herne. Als sich Königsblau 1934 erstmals in Berlin zum Deutschen Meister krönte, hielt die Reichsbahn auf dem Rückweg 35 Kilometer vor Gelsenkirchen. In offenen Autos fuhren die Schalker Spieler im Anschluss durch die Dortmunder Innenstadt, wurden von vielen Menschen umjubelt und trugen sich als erste Fußballmannschaft ins goldene Buch der Stadt ein.

Von der gegenseitigen Sympathie, die zwischen beiden Vereinen herrschte, ist heute gar nichts mehr zu spüren. Wurden damals noch direkte Wechsel zwischen beiden Klubs ohne Unmutsbekundungen hingenommen, sind heutzutage Überläufer zwischen Schalke und Dortmund in den Augen beider Fan-Lager Verräter. Nichtsdestotrotz wagten in der Vergangenheit mehrere Spieler den Trikot-Tausch vom blau-weißen Jersey hin zum gelb-schwarzen oder andersherum – auch wenn der letzte direkte Transfer zwischen beiden Vereinen mittlerweile 10 Jahre zurückliegt.

Überläufer Schalke und Dortmund: Diese Spieler wechselten vom BVB zum S04

Franz Podgorski, 1948
Der Abwehrspieler ist der erste offizielle Überläufer zwischen Schalke und Dortmund. Zum Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft 1948 trug er 5 Tore bei, schloss sich anschließend aber Schalke an. Dort blieb er allerdings nur eine einzige Saison und beendete nach lediglich 6 Punktspielen für S04 seine aktive Karriere. Anschließend macht er sich als Trainer des SV Hemer 08 im Märkischen Kreis einen Namen.

Herbert Sandmann, 1949
Der Flügelstürmer entstammte der Dortmunder-Jugend und debütierte mit 18 Jahren in der 1. Mannschaft. Nach einer enttäuschenden Spielzeit mit wenigen Einsätzen wechselte er 1949 zum FC Schalke. 2 Jahre lief er für S04 auf, bevor er 1951 zum BVB zurückkehrte. Über seine S04-Zeit soll Sandmann gesagt haben: „In Schalke habe ich erst richtig Fußballspielen gelernt, dank des guten Abspiels der Alten.“

Horst Mühlmann, 1961
Der gebürtige Dortmunder wechselte vom BV Brambauer zum BVB und schloss sich 1961 im Alter von 21 Jahren dem S04 an, der damals noch in der Oberliga beheimatet war. Als Stammtorhüter spielte Mühlmann von 1963 bis 1966 in der Bundesliga (alle Bundesliga Wetten) für die Knappen. Später wechselte er in die USA und vom Fußball zum Football. Für die Cincinnati Bengals lief er als Kicker auf. Nach dem Zusammenschluss von AFL und NFL avancierte er zum ersten Spieler, der in 3 aufeinanderfolgenden Partien ein Field Goal aus über 50 Yards erzielte.

Jürgen Wegmann, 1986
Die „Kobra“ war nach ihrem Wechsel von Zweitligist Essen zum BVB auf Anhieb Leistungsträger. Der Stürmer rettete die Borussia mit einem Last-Minute-Tor zum 2:1-Sieg in der Relegation gegen Fortuna Köln in ein Entscheidungsspiel, welches Dortmund schließlich mit 8:0 gewann. Dafür wurde er später mit einem Stern auf dem Walk of Fame des BVB verewigt. Für 1,35 Mio. DM schloss er sich 1986 Schalke an, kehrte nach einem Gastspiel beim FC Bayern aber 1989 zum BVB zurück.

Ingo Anderbrügge, 1988
Die Schalker Legende schnürte zwischen 1984 und 1988 die Schuhe für die Borussia. In dieser Zeit wurde er U21-Nationalspieler. Seine große Liebe fand der Linksfuß aber in Gelsenkirchen. Mit Königsblau gewann er 1997 den UEFA Cup. Anderbrügge wurde in die Jahrhundertelf des FC Schalke 04 berufen. Insgesamt 321 Mal lief er für den Klub auf.

Marco Kurz, 1995
Vom Absteiger 1. FC Nürnberg wechselte der Abwehrspieler 1994 zum BVB. Für Schwarzgelb absolvierte er aber nur 8 Pflichtspiele. Nach nur einer Spielzeit zog es ihn weiter zum S04. Für Schalke lief Kurz zwischen 1995 und 1998 insgesamt 66 Mal auf. Mit Dortmund wurde er Deutscher Meister (1995), mit Schalke gewann er den UEFA Cup (1997) – der Schwabe war mit beiden Klubs erfolgreich.

Andreas Möller, 2000
Wohl kaum ein Wechsel zwischen den beiden Revier-Rivalen sorgte für so viel Aufsehen wie der von „Turbo-Andy“. Möller war in den 90er Jahren einer der großen Dortmunder Leistungsträger und ein Gesicht des BVB-Erfolgs. Nach seinem Transfer avancierte er bei den Borussia-Fans zum „Judas“, auch die S04-Anhänger wollten ihn zunächst nicht im eigenen Trikot sehen. Einzig Manager Rudi Assauer glaubte an eine erfolgreiche Zusammenarbeit – und er sollte Recht behalten. Möller gewann mit Schalke den DFB-Pokal, wurde Meister der Herzen und erkämpfte sich den Respekt vieler Fans.

Felipe Santana, 2013
Der Brasilianer war in der erfolgreichen BVB-Zeit unter Jürgen Klopp ein verlässlicher Backup für das Verteidiger-Duo Mats Hummels und Neven Subotic. In Dortmund war er Publikumsliebling. Das änderte sich mit seinem Wechsel zu Schalke. Bei Königsblau konnte der Abwehrspieler nie richtig Fuß fassen und lief lediglich 32 Mal für den Klub auf. Erst ist bis heute der letzte Überläufer zwischen Schalke und Dortmund. Seit seinem S04-Abschied 2015 war Santana mehrmals vereinslos.

Diese Spieler wechselten vom S04 zum BVB

Reinhard „Stan“ Libuda, 1965
Der Rechtsaußen war einer der beliebtesten Fußballer seiner Zeit und genoss sowohl in Gelsenkirchen als auch in Dortmund höchste Anerkennung. Für Schalke lief er zwischen 1961 und 1965, von 1968 bis 1972 und von 1973 bis 1976 auf. Mit dem Klub gewann er 1972 den DFB-Pokal. Libuda war der populärste Schalker der 1960er und 1970er Jahre. Zwischenzeitlich (1965-1968) schnürte er seine Schuhe für den BVB und schoss diesen zum Titel im Pokalsieger-Wettbewerb. Sein Siegtor gegen Liverpool wurde auf Platz 2 zum „BVB-Jahrhundert-Tor“ gewählt.

Norbert Dörmann, 1979
Der gebürtige Gelsenkirchener spielte bereits in der Jugend für Königsblau. Von 1976 bis 1979 kickte er für die S04-Profis und führte das Team 1977 als Kapitän zur Vize-Meisterschaft. 1979 erfolgte der Wechsel nach Dortmund. Dem BVB blieb der Abwehrspieler 2 Jahre lang treu. Im Anschluss stand er noch in Oberhausen, Aachen, Wuppertal und Bocholt unter Vertrag.

Rolf Rüssmann, 1980
Rüssmann war Teil der S04-Mannschaft, die 1970/71 im Bundesliga-Skandal um manipulierte Punktspiele verwickelt war. Der Abwehrspieler wurde im März 1973 deswegen vom Landgericht Essen verurteilt und vom DFB gesperrt. Deshalb zog es Rüssman ins Ausland zum FC Brügge. Nach seiner Begnadigung kehrte er 1974 zu Schalke zurück und blieb bis 1980. Dann ging es für eine Ablösesumme in Höhe von 800 Tsd. DM zum BVB. Dort blieb Rüssmann 5 Jahre und wurde sogar Mannschaftskapitän. Insgesamt lief er für beide Klubs 453 Mal in der Bundesliga (alle Bundesliga Wetten) auf.

Rüdiger Abramczik, 1980
Seit seinem 10. Lebensjahr spielte der Außenstürmer für Schalke. Von 1973 bis 1980 absolvierte er 198 Partien für die Knappen und wurde in dieser Zeit Nationalspieler. Aufgrund von finanziellen Problemen verkaufte Schalke 1980 Abramczik an den BVB. In Dortmund bildete er mit Manfred Bursmüller in Folge ein torgefährliches Sturmduo. Nach 90 Partien für die Borussia zog er 1983 zum 1. FC Nürnberg weiter. Zum Ende seiner Laufbahn (1987-1988) spielte Abramczik nochmals für S04.

Ulrich Bittcher, 1983
Auch Bittcher wurd auf Schalke geboren und kam mit 15 Jahren in die S04-Jugend. 1976 wurde er mit dem Klub Deutscher A-Jugend Meister. Ab der Saison 1976/77 war der Mittelfeldspieler 7 Jahre lang im Profi-Team der Schalker und absolvierte 168 Bundesliga-Spiele. Für 700 Tsd. Mark Ablösesumme ging es 1983 zum BVB. Liefen die ersten 3 Jahre für ihn persönlich gut, begann ab 1986 eine von Verletzungen geplagte Zeit. 1987 wurde Bittcher Sportinvalide und musste seine Karriere beenden.

Gerhard Kleppinger, 1987
Der Abwehrspieler lief insgesamt 3 Jahre für Schalke auf. Nachdem der Klub 1987 abstieg, schloss er sich dem Revierrivalen an. In Dortmund blieb der Hesse allerdings nur eine einzige Saison. Für die beiden Pott-Klubs spielte er insgesamt 149 Mal.

Steffen Freund, 1993
Freund ist untrennbar mit den großen BVB-Erfolgen zwischen 1995 und 1997 verbunden. Bevor er jedoch für 1,5 Mio. € nach Dortmund wechselte, spielte der Brandenburger 2 Jahre für Schalke. Genau wie Abramczyk Jahre zuvor wurde auch Freund aufgrund von finanziellen Nöten von Königsblau an den Erzrivalen verkauft. Für Schalke absolvierte der Mittelfeldspieler 56 Partien, für den BVB 161.

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