Englische Fangesänge: Wenn Humor auf Fußball trifft
England gilt als das Mutterland des Fußballs. Die Supporter auf der Insel sind nicht nur für ihre enthusiastische und unbändige Unterstützung während des Spiels, sondern auch für ihre kreativen und lustigen Fangesänge bekannt.
Sei es ein Mann, der sich während des Spiels einen Kuchen gönnt, eine Mannschaft, deren offensive Performance zu wünschen lässt oder einfach nur ein stinknormaler Security-Mitarbeiter. Die englischen Fußballfans finden immer einen Weg, sich auch abseits des Geschehens auf dem Rasen zu amüsieren - oft mit unverwechselbarer, klassisch britischer und trockener Selbstironie.
Bwin hat für Dich die lustigsten, kreativsten und besten Fangesänge aus der englischen Fankultur zusammengetragen. Von Premier League über Championship bis hin zum Unterhaus.


"Lets pretend we scored a goal!"
Am 30. März. 2014 gab es für die Fans der Tottenham Hotspurs eigentlich wenig zu lachen. Die Spurs gehen an der Anfield Road sang- und klanglos mit 0:4 unter. Nachdem Jordan Henderson in der 75. Minute das vierte Tor für Liverpool erzielt hatte, wären die Supporter der meisten Mannschaften wohl verstummt oder nachhause gegangen - jene der Spurs hatten aber eine bessere Idee.
Plötzlich hallte es aus dem Fanblock der Gäste "Lets pretend, lets pretend, lets pretend, we scored a goal." Gefolgt von lautstarkem Jubel. Der imaginäre Treffer, den die Fans feierten, gelang zwar nicht mehr. Die Lacher hatten die Spurs-Fans allerdings auf ihrer Seite. Der Chant wurde später von zahlreichen anderen Mannschaften kopiert.
Doch die Tottenham-Fans legten noch einmal nach. "Its only 4:0. Its only 4:0. How shit must you be? Its only 4:0", grölten sie. Selbstironie, die man nur auf der Insel findet.
"We lose every week, you´re nothing special"
Ähnlichen Humor bewiesen Unterstützer von Nottingham Forrest während der FA-Cup-Niederlage gegen West Ham United. "We lose every week. We lose every week. You're nothing special. We lose every week," gaben sie dem Gegner zu verstehen. Einfach herrlich.
"We are Man United, we play in the dark"
Beim Premier-League-Auswärtsspiel von Manchester United bei Fulham an der Craven Cottage am 2. Februar. 2013 kam es zu einer unangenehmen Überraschung für Spieler und Zuschauer. Das Flutlicht fiel in der 42. Minute aus, die Akteure tappten im Dunklen.
Die Fans der Red Devils nahmen es jedoch mit Humor. "We´ll play in the dark. We´ll play in the dark. We are Man United. We´ll play in the dark", hallte es aus dem Auswärtsblock.
"Is there a fire drill?"
Leeds United ist einer der größten Traditionsvereine in England. Mittlerweile ist das Team des deutschen Trainers Daniel Farke wieder zurück in der Premier League. 2009/10 lief es aber so gar nicht für die "Whites".
In der drittklassigen League One verlor man am 3. April. 2010 ein Heimspiel gegen Swindon Town mit 0:3. Viele Leeds-Fans verließen das Stadion an der Elland Road vor dem Abpfiff. Das wurde von den Fans des Gegners höhnisch kommentiert: "Is there a fire drill?", fragten die Anhäger von Swindon Town wiederholt.
"He´s eating pie"
Bradford City-Fans finden immer kreative Wege, für Entertainment zu sorgen, auch wenn das Spiel mal zu wünschen übrig lässt. Als ein Supporter sich im Fanblock einen Kuchen gönnte, wurde das von zahlreichen lautstarken Fans kommentiert: "He's eating pie", hallte es durch das Stadion.
Weniger später folgte die Frage: "Has he got some sauce?" Als man dem Mann mit vereinten Kräften dann Sauce besorgte, folgte ein lautstarkes "He's got some brown." Ende gut, alles gut.
"Harry Potter, he´s coming for you"
Wieder Liverpool. Am 7. April. 2013 empfingen die Reds an der Anfield Road West Ham United. Das Spiel endete 0:0 und so hatten die Fans mehr Zeit, sich auf das Geschehen an der Seitenlinie zu konzentrieren.
Dort wärmte bei Liverpool Jonjo Shelvey auf. Der Mittelfeldspieler weist mit seiner Glatze optisch eine gewisse Ähnlichkeit zu Lord Voldemort aus dem Kult-Film Harry Potter auf, fanden zumindest die Anhänger der "Hammers". "Harry Potter, he´s coming for you" skandierten die Auswärtsfans in Richtung Shelvey. Dieser nahm es mit Humor und quittierte die Gesänge mit einem Lächeln.
Shelvey ist aber nicht der einzige Spieler, über dessen Äußeres sich englische Fußballfans amüsierten. Bei Mesut Özil zum Beispiel hieß es regelmäßig, "his eyes are offside", bei Zlatan Ibrahimović war es die Nase, die im Abseits stand, bei Luis Suárez seine Zähne.
"Yaya und Kolo Touré"
Das ivorische Brüder-Paar Yaya und Kolo Touré hat die Premier League über viele Jahre geprägt. Insgesamt kommen die Beiden auf 583 Einsätze in Englands höchster Fußball-Liga.
Vielleicht liegen die beiden Spieler dem ein oder anderen Fan auch wegen ihres ganz speziellen Songs noch in den Ohren. Die Anhänger von Manchester City hatten nach einem Spiel ihrer Mannschaft in der U-Bahn-Station sichtlich Spaß an dem Song. Bei "Kolo, Kolo, Kolo, Kolo, Kolo, Touré" geht man in die Knie. Bei "Yaya, Yaya, Yaya, Yaya, Yaya, Touré" werden die Hände in die Luft gestreckt - einfach und bis heute ein Klassiker.

"Will Grigg's on fire"
Apropos Klassiker: Der nordirische Stürmer Will Grigg blickt im Alter von 34 Jahren - bei allem Respekt - nicht auf die größte Karriere zurück. 50 Spiele in der zweitklassigen Championship waren für ihn das höchste der Gefühle, den Großteil seiner Laufbahn verbrachte er in der League One.
Dennoch ist Grigg den meisten Fußballfans ein Begriff. Und das hat er einem Wigan Athletic-Fan namens Sean Kennedy zu verdanken. Dieser lädt nämlich im Mai 2025 die Hymne "Will Griggs on fire, your defense is terrified." zu den Klängen von "Freed from Desire" der italienischen Sängerin Gala ins Internet.
Und was danach kam, hatte wohl keiner von den Beiden erwartet. Der Clip ging viral, wurde mittlerweile millionenfach aufgerufen und wurde zur inoffiziellen Hymne der Europameisterschaft 2016. Es ging sogar so weit, dass sich Fußballfans Scherzanrufe bei der Feuerwehr erlaubten, um zu vermelden, dass Will Grigg "on fire" sei. Die Hymne wird heut noch in zahlreichen Stadien - meist in abgewandelter, auf den Verein zugeschnittener Form - gesungen.
"More seagulls than fans"
Beim Spiel zwischen Bradford City und dem FC Blackpool baute sich während der Partie eine beträchtliche Menge an Möwen (engl. Seagulls) am Himmel auf.
Die Bradford-Fans skandierten in Anspielung auf das halbleere Stadion in der Folge trocken: "You got more seagulls, more seagulls than fans"
"We paid for your hats"
Das Verhätnis zwischen Fangruppen und Sicherheitskräften ist oftmals angespannt, und Hooligans überschreiten die Grenzen des Erlaubten. Die Anhänger des unterklassigen FC United zeigten jedoch, wie man auch auf humorvolle Art und Weise sein Unverständnis ausdrücken kann.
"We paid for your hats. We paid for your hats. What a waste of council tax. We paid for your hats", wurde in Richtung der Polizei angestimmt.
"You're getting sacked in the morning"
Wenn ein Trainer in der Premier League gerade eine Negativ-Serie erlebt, gehört es bei den gegnerischen Fans fast schon zum guten Ton, den Chant "You´re getting sacked in the morning" anzustimmen. Pep Guardiola machte damit an der Anfield Road bereits Erfahrung und ließ sich als Reaktion darauf dazu verleiten, den Liverpool-Fans die Zahl sechs zu zeigen - die Anzahl seiner Premier-League-Titel. Zuletzt machte United-Trainer Ruben Amorim in Brentford mit den Fangesängen Bekanntschaft.
"Dont take me home"
"Don't take me home. Please don't take me home. I just don't wanna go to work. I wanna stay here, drink all your beer. Please don't, please don't take me home." Dieser Fußballsong wird in England universell von allen Mannschaften und vor allem bei Länderspielen verwendet und steht für die Mentalität, mit der die Anhänger zu Auswärtsreisen pilgern.

"You´ll never walk alone"
Und natürlich der Klassiker schlechthin: You'll never walk alone gilt als DIE Fußballhymne überhaupt. Erstmals vom FC Liverpool verwendet, dröhnt sie mittlerweile in zahlreichen Stadien, auch außerhalb von Großbritannien, aus den Boxen bzw. den Fanblöcken und sorgt für Gänsehaut-Momente.









